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ERASMUS+: 3-wöchiges Praktikum als Industriekaufmann in Italien

In der Zeit des Auslandsaufenthaltes hatte ich die Möglichkeit, viele neue Kenntnisse für mich zu gewinnen. Die Anfangszeit verbrachte ich in einem Ort namens Cusago (Mailand), wo sich der Hauptsitz der Verwaltung unserer Mutterfirma SIT S.p.A befindet. Beispielsweise sind bei unserem Standort in Brakel ca. 150 Mitarbeiter tätig. In Italien hingegen (Verwaltung und Fertigung) sind ca. 300 Mitarbeiter beschäftigt. Die SIT S.p.A. gehört mit der Elatech S.r.L., der Indeva S.p.A. und der Scaglia S.r.L. zu der letztgenannten Scaglia- Group mit dem Sitz in Brembilla (Bergamo, Hauptsitz der Produktion). Die Scaglia- Group ist darauf spezialisiert, Komplettantriebe wie z.B. Zahnriemen, Zahnscheiben, Kupplungen etc. für Maschinen und Motoren zu fertigen und stellt zusätzlich maschinelle Bewegungsanlagen her, zum Beispiel für den Transport von Meterware innerhalb des Lagers.

Im verwaltenden Teil der SIT konnte ich in Abteilungen wie der Arbeitsvorbereitung, Auftragsabwicklung, Kalkulation und Marketing anhand von Vergleichen zu meiner Firma, der SIT- Antriebselemente GmbH, viele Dinge lernen und einige Schlüsse ziehen. Die Vorgänge sind klar strukturiert, der Prozess vom Bestellungseingang bis zur Abwicklung bzw. Versand der Bestellung geschieht nahezu papierlos bzw. hauptsächlich über das System. Die Auftragsbearbeitung und die Kalkulation ist nach In- und Ausland aufgeteilt und die Aufträge werden je nach Standort des Kunden an die jeweiligen Mitarbeiter geleitet und bearbeitet. Jeder Mitarbeiter bzw. jede Abteilung hat einen Vorgesetzten, an den dieser sich wenden kann, wenn es Probleme oder Unklarheiten gibt. Sind die Kundenaufträge bearbeitet und bereit zum Versand, wird das Lager informiert und die Ware wird, je nach Liefertermin, verpackt und versendet. Standardware wird zum Großteil vor Ort eingelagert, um so die Lieferzeiten so kurz wie möglich zu halten. Bestellungen von Sonderartikeln werden an die Produktion (in Brembilla) gesendet, sodass diese dort dann angefertigt werden. Im Lager wird das FIFO- Prinzip angewendet, was bedeutet, dass die Ware die als erstes eingelagert wurde, bei der Auslieferung auch als erstes wieder entnommen werden muss.

Zusätzlich werden kleinere Mengen von Artikeln in einem automatisierten Lager aufbewahrt (chaotische Lagerhaltung), das heißt, dass die Ware dort eingelagert wird, wo sich gerade Platz befindet. Das Ganze wird aber natürlich von einem System vorgeschlagen (je nach Lagerumschlagshäufigkeit).

Durch die ständige Kommunikation auf Italienisch, konnte ich meine Sprachkenntnisse dort ebenfalls verbessern, bzw. neue Fachbegriffe kennenlernen. In den zwei darauffolgenden Wochen wurde mir auch die Produktion von Zahnriemen und Zahnscheiben in Brembilla gezeigt, wo ich den gesamten Produktionszyklus unserer Produkte veranschaulichen konnte und etliche Fragen zum Vorgang stellen konnte.

In meiner ersten Woche habe ich einen Einblick in der Marketing-Abteilung erhalten. Dies war sehr lehrreich, da wir diese in Deutschland nicht haben. Ich hatte die Chance eine Messe vorzubereiten, ein Logo zu erstellen, Einladungen an Kunden zu verfassen und neue Produktkataloge ins Deutsche zu übersetzen.
Des Weiteren habe ich die darauffolgenden zwei Wochen bei Elatech S.l.r. in Brembilla (Bergamo) verbracht, dort wurde mir ein Einblick in der Produktion und der Auftragsabwicklung gewährt, wo ich auch einige Vergleiche zu unserer Zahnriementechnik in Deutschland finden konnte. Zum Beispiel wird je nach Kundenwunsch der bestellte Artikel in einer Arbeitskarte erfasst, mit den einzelnen Daten und Abmessungen des Zahnriemens, sodass diese dann in die Produktion gegeben werden kann.
Dort wird der Zahnriemen dann, basierend auf den Daten der Arbeitskarte, aus den fertigen Rollen der Meterware abgeschnitten und anschließend zu einem endlosen Zahnriemen verschweißt. Es gibt auch noch die Variante von Flexriemen, die bereits in einer endlosen Form gefertigt und extrudiert werden.
Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, Riemen nachträglich zu bearbeiten, d.h. es können auf Wunsch z.B. noch Nocken auf dem Riemenrücken angebracht, einzelne Zähne vom Riemen abgefräst oder die Vorder- und Rückseite der Riemens mit einer Vielzahl von Beschichtungen beklebt werden.

Verglichen mit Deutschland herrschte eine etwas offenere Arbeitsatmosphäre: Die Kollegen haben mich sofort überall mit einbezogen und waren sehr aufgeschlossen. Ein Kollege aus Cusago hat sogar eine Stadtführung durch das nahe gelegene Mailand organisiert.
Insgesamt habe ich mir den Aufenthalt vorher stressiger vorgestellt, aber durch das Großraum-Büro war es lockerer. Man musste sich nur an die lautstarken Telefonate gewöhnen.
Durch den Perspektivwechsel vom deutschen Abnehmer zum italienischen Produzenten kann ich nun bestimmte Abläufe besser nachvollziehen, zum Beispiel bei der Bestellung von neuen Artikeln, welche sich immer etwas langwierig gestalteten.
Obwohl ich auch in Deutschland viel Italienisch spreche, konnte ich mein Fachvokabular deutlich erweitern, so zum Beispiel im Bereich der Produktion oder im Versand.
Als Fazit möchte ich allen Interessierten einen Auslandsaufenthalt empfehlen: Die kulturellen Eindrücke, besonders in Mailand, die liebenswürdigen Leute und das Erleben unterschiedlicher Arbeitsweisen haben die Zeit dort wirklich wertvoll gemacht.

Es folgen einige Fotos zu  den Gebäuden von Elatech und der SIT:

SIT S.p.a. in Cusago (Mailand) – Spezialisiert auf die Fertigung von Zahnscheiben
Elatech S.l.r. in Brembilla (Bergamo) – Spezialisiert auf die Fertigung von Riemen