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Von Verdun nach Straßburg – zwei Weltkriege und ein Friedensnobelpreis

eines Fortbildungsveranstaltung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Unter dieser Überschrift fuhren die beiden Kollegen Uwe Wege und Udo Schlüter zu einer nicht alltäglichen Fortbildung ins benachbarte Frankreich. Nicht alltäglich, weil Fortbildungen für gewöhnlich in Seminarräumen und schon gar nicht auf Kriegsgräberstätten stattfinden. Aber genau dies ist das Ziel des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge: Kriegsgräberstätten zu begreifen als außerschulische Orte des Lernens und des Erinnerns.

Die Fahrt sollte neben der Erinnerungskultur auch deutlich machen, welche enorme Entwicklung der europäische Kontinent in den letzten 100 Jahren durchgemacht hat. Über zwei Weltkriege hin zu einem Europa ohne Grenzen und des freundschaftlichen Miteinanders.

Bereits am 1. Tag, beim Besuch der deutschen Kriegsgräberstätten des 1. Weltkriegs in Verdun, der insgesamt 17 Millionen Menschen das Leben kostete, wurde das Ausmaß der Katastrophe allen noch einmal vor Augen geführt. Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht, Soldaten auf Grund der Menge an Toten eines Tages in Massengräbern verscharrt. Nach dem Krieg wurde nahe Verdun ein Beinhaus errichtet, in denen die Gebeine von geschätzt 130.000 deutschen und französischen Soldaten ruhen. Überall in und um Verdun wird man an die Schrecken dieses Krieges, der in Frankreich und in England als der „Große Krieg“ bezeichnet wird, erinnert. So gibt es neben ausradierten Dörfern allein über 80 Kriegsgräberfriedhöfe und auch nach hundert Jahren werden immer wieder in dieser Gegend Soldaten auf Äckern und in Wäldern gefunden. Der Tag endete mit dem Besuch des neuen Museums, dem „Mémorial de Verdun“, in dem versucht wird sehr wirklichkeitsnah durch Wort und Bild, aber auch durch diverse begehbare Dioramen, die Kriegshandlungen sehr realitätsnah darzustellen ohne kriegsverherrlichend zu sein.

Verdun, in Lothringen gelegen, war seit jeher eine von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägte Region. Aber gerade das Elsass wechselte durch Kriege zwischen Frankreich und Deutschland im Laufe der Geschichte einige Male die Staatszugehörigkeit. Und es ist damit nicht verwunderlich, dass Spuren von Krieg und Gewalt gerade in diesem Teil Frankreichs besonders deutlich zu spüren und zu sehen sind. So ging es am zweiten Tag der Fortbildung um Möglichkeiten der Erinnerungskultur zum 2. Weltkrieg. Der Volksbund betreibt in Niederbronn eine an einem deutschen Soldatenfriedhof angeschlossene Jugendbegegnungsstätte, auf der zum Thema „Krieg und Frieden“ pädagogisch gearbeitet wird. Beeindruckend waren hierbei die Ausführungen der stellvertretenden Leiterin, Joelle Krieger, zu Einzelschicksalen auf der Kriegsgräberstätte. Dabei wurde deutlich, dass Soldaten nicht gleich Soldaten waren, dass sie oft schicksalhaft zum Krieg kamen, weil sie jung waren oder verblendet, überzeugt von der „guten Sache“ oder einfach an die Front mussten. Waren sie Opfer, waren sie Täter oder gar Kriegsverbrecher? Wer liegt auf einer Kriegsgräberstätte neben wem (der 16 jährige Volkssturmsoldat neben dem 40 jährigen SS-Sturmmann) und warum? Fragen, die am Ende des Tages nicht allesamt geklärt werden konnten, die aber zu Nachdenken anregten und an das Wort Jean-Claude Junckers erinnerten, der sagte:
„Wer an Europa zweifelt,
wer an Europa verzweifelt,
der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen!“

Der letzte Tag stand schließlich im Fokus des heutigen Europas, Straßburg mit seinen Institutionen. Da es vor allem darum gehen sollte, wie Europa heute Schülerinnen und Schülern vermittelt werden kann, besuchten die Kollegen die vom Europaparlament nahe gelegene und assoziierte Bildungsstätte „Lieu d’Europe“, die darauf spezialisiert ist speziell zugeschnittene Angebote für Schülergruppen unterschiedlichen Alters anzubieten und durchzuführen. Die Dänin Nina Christansen stellte dabei eindrucksvoll, in nahezu perfektem Deutsch, die didaktisch-methodischen Bausteine vor, bevor es auf einen „Europa-Parcours“ ging, an dem man in Form eines Spiels an den Institutionen des Europaviertels in Straßburg vorbeiwanderte und kennenlernte.

Die Fortbildung zeigte, dass es im Unterricht sicher möglich ist Zahlen und Fakten über die beiden Weltkriege zu vermitteln, das Ausmaß der Katastrophen des 20. Jahrhunderts wird man nur dann begreifen, wenn man sich an die Orte des Verbrechens, der Angst und des Schreckens begibt. Und die Orte wollen nicht nur Orte des Erinnerns sein, sondern Mahnung an alle, die Europa als Gemeinschaft ablehnen und Nationalstaatlichkeit predigen. So schlagen die Gräber der Vergangenheit eine wichtige Brücke zur Solidarität der Völker und Wahrung der Menschrechte in einem vereinten Europa heute.

Das Berufskolleg Kreis Höxter wird daher im Mai 2019 eine Studienfahrt zur Kriegsgräberstätte Ysselsteyn/NL als offenes Angebot für Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs durchführen.
Bei Interesse bitte melden bei: schlueter@bkhx.de oder wege@bkhx.de oder beim Klassenlehrer.

Dank gilt abschließend zu sagen an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge (www.volksbund.de) für die hervorragende Planung und Durchführung der Fortbildung, namentlich Stefan Schmidt, Daniel Gollmann und Jana Moers.